Beim Betrieb einer Biogasanlage sind die Substrate (z.B. Gülle oder Jauche) immer in Bewegung. Sie werden aus dem Stall oder der Vorgrube (z.B. unter Zugabe von Kofermenten, Grünabfällen - Schlachtabfällen) in den Faulbehälter befördert und von dort in das Endlager überführt. Zur Befüllung und um die Höhenunterschiede zwischen den Behältern zu überwinden werden Pumpen eingesetzt.
Was macht den Pumpen einer Biogasanlage das Leben schwer ?
Kofermente erhöhen Biogasertrag
In einer Untersuchung zur “Energetische Nutzung von Biogas
aus der Landwirtschaft” des bayrischen Landesamtes für Umweltschutz ist zu lesen :
“Während bei reiner Güllevergärung nur ca. 30 m³ Gas / m³ Substrat erzielt wurden, erreichte die Anlage mit 62,5 % Co-Substrat Spitzenwerte von 150 m³ Gas /m³ Substrat”
Kofermentate auch Kofermente oder Co-Substrate genannt, sind organische Reststoffe oder nachwachsende Rohstoffe, welche oft einen hohen energetischen Nutzen (Bioabfall, Gemüseabfälle, Maissilage, Grassilage…) haben. Nachwachsende Rohstoffe, wie Mais oder Weizen (Energiepflanzen), lassen auch bei verhältnismässig kleinen Fermentervolumina hohe Biogasausbeuten zu, da sich mit diesen Pflanzen hohe Raumbelastungen einstellen lassen.
Einige dieser Kofermente erfordern jedoch eine Vorbehandlung, in Form einer Hygienisierung und/oder Sortierung.
Für die Biotonne besteht die Hygienisierungs - und Sortierungspflicht, bei Schlachtabfällen die Hygienisierungspflicht während bei Ernterückständen, Grünabfälle, Obst- und Gemüseabfälle keine Hygiensisierungspflicht besteht und i.d.R. auch keine Sortierung erforderlich ist. (Quelle : Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft). Hier sind eine Reihe von abfallrechtlichen und düngemittelrechtlichen Vorschriften einzuhalten. Die gesetzlichen Hygienevorschriften finden Sie unter BMU -Abfallwirtschaft - BioAbfV.
Eine Möglichkeit den Biogasertrag, bei konstantem Speichervolumen, zu erhöhen ist also der Zusatz von Kofermenten, dies stellt jedoch erhöhte Anforderungen an die Pumptechnik.
Konsequenzen aus der Veränderung der Fließeigenschaften durch Kofermente
Beeinflussend auf die Fließeigenschaften wirken alle faserigen und eher festen Stoffe, wie Futterreste, Einstreu oder Kofermente. Diese Substrate erhöhen den Trockensubstanzgehalt (TS-Gehalt) und enthalten auch Störstoffe aus mineralischen oder metallischen Stoffen. Diese Störstoffe, wie Sand und Lehm, kommen u.a. durch den Weidegang der Tiere.
Um ein homogenes Substrat zu erhalten, erfordert eine Erhöhung des TS-Gehalts gleichzeitig auch einen erhöhten Leistungsbedarf der Pump- und Rührtechnik. Zum Schutz der Pumpen, sowie zur Vorbeugung vor Leitungsverstopfungen ist es ratsam Feststoffabscheider oder Steinfänge sowie Mazeratoren (Zerkleinern und Homogenisieren von Feststoffen) vor einer ggf. notwendigen Hygienisierung einzusetzen. Je nach Einbringtechnik und Anlagenaufbau sind Rückfluss-Sperren sinnvoll.
Wie wirkt sich ein hoher TS-Gehalt auf den Prozessablauf aus ?
Bei einem Fermenter-Volumen von 3000 m³ müssen ca. 75 - 150 m³ pro Tag eingebracht werden.
Im Idealfall erfolgt eine kontinuierliche Beschickung (Befüllung oder Fütterung) des Fermenters mit einem homogenen und in der Zusammensetzung konstanten Substrat, damit ein stabiler Gärprozess erreicht wird und die Störanfälligkeit des Leitungs- und Pumpsystems verringert wird.
Oft wird in der Praxis der Substratstrom, über Zeitschaltuhren oder Prozessrechner, in mehreren Portionen über den Tag verteilt eingespeist.
Bei dieser Portionierung des Substratstromes wirkt sich das gute Sedimentationsverhalten (Ablagerungsverhalten) bei hohem TS-Gehalt positiv aus. Dies verringert die Verstopfungsgefahr in den Rohrleitungen.
Pumptechnik
Die Pumpen bestehen aus einer Saugseite und einer Druckseite. An der Saugseite wird das Substrat angesaugt und mit einem Förderdruck in die Druckleitung gepumpt.
Bei einer Gesamtförderhöhe von 12m wird beispielsweise 3m angesaugt und 9m gedrückt.
Die Pumpen müssen gut zugänglich eingebaut werden, damit bei Wartungen, Verstopfungen oder dem Austausch von Verschleißteilen die Anlage nicht ausser Betrieb genommen werden muss.
Ich habe mir zwei Arten von Pumpen, die in Biogasanlagen eingesetzt werden, angesehen.
Die Kreiselpumpen und die Verdrängerpumpen.
Kreiselpumpen
Die Kreiselpumpe enthält eine Art Schaufelrad, welches durch seine hohe Drehgeschwindigkeit (oft ca. 3000 U/min) das Substrat befördert. Das Prinzip der Förderung begegnet uns im täglichen Leben, steckt man einen Mixer in eine Flüssigkeit steigt die Flüssigkeit am Rand hoch, so ist auch das Schaufelrad der Kreiselpumpe zu verstehen.
Kreiselpumpen werden bei kleineren Trockensubstanzgehalten (bis 8%) und bei hohen Fördermengen in kurzer Zeit (2 - 6m³/min) eingesetzt. Kreiselpumpen sind robust und haben den Vorteil, daß sie trockenlaufen können und somit wenig störungsanfällig sind.
Tauchmotorkreiselpumpen (vollständig in das Substrat eingetaucht) müssen nicht angegossen werden. Steht die Kreiselpumpe jedoch außerhalb der Güllegrube muss diese angegossen werden, weil sie nicht selbstansaugend sind.
Das heißt, solange die Pumpe leerläuft kann sie über die Ansaugleitung keine Gülle aus der Grube oder dem Behälter ansaugen und über das Steigrohr nach oben drücken. Erst wenn die Kreiselkammer und die Ansaugleitung mit Wasser oder mit einer anderen Flüssigkeit gefüllt werden, kann die Kreiselpumpe arbeiten.
Die Laufräder werden so ausgeführt, dass sie auch als Schneid- bzw. Reißwerkzeug eingesetzt werden.
Verdrängerpumpen
Im Gegensatz zu Kreiselpumpen sind die Verdrängerpumpen selbstätig ansaugend und eher für dickflüssigere Substrate geeignet. Daher werden in Biogasanlagen auch häufig Verdrängerpumpen wie Exzenterschnecken- oder Drehkolbenpumpen eingesetzt. Diese Pumpen dürfen nicht trockenlaufen, um keinen Schaden zu erleiden. Es muß also bei Verwendung solcher Verdrängerpumpen ständig überwacht werden, ob noch Gülle in der Grube oder dem Güllebehälter vorhanden ist. Diese Pumpen haben eine etwas höhere Leistungsaufnahme sind aber für höhere TS-Gehalte geeignet.
Exzenterschneckenpumpen
Auf Biogasanlagen werden ein oder zwei stufige Exzenterschneckenpumpen eingesetzt.
Angetrieben von Getriebemotoren arbeiten sie mit Förderdrücken von bis zu 5 bar und pumpen flüssiges Substrat mit einem TS-Gehalt bis 15%. Um den Verschleiß zu minimieren, werden Pumpen-Drehzahlen von 200 - 250 rpm angestrebt, welche 0,1 - 1,5m³/min fördern. Rotoren sind in der Regel mit einer Hartverchromung beschichtet. Die das Pumpengehäuse dichtenden Gleitringdichtungen müssen an die besonderen landwirtschaftlichen Bedingungen angepasst werden.
Zur Überwachung der Funktion und evtl. Fehlermeldung sind häufig Druck-Manometer und Temperatursensoren eingebaut.
Die Saughöhe der auf Biogasanlagen eingesetzten Exzenterschneckenpumpen ist im Gegensatz zu den Kreiselpumpen etwas geringer und liegt bei 1-3m. Bei der Installation der Pumpen ist deswegen auf saugseitig kurze Wege zu achten. Diese Pumpen wird nachgesagt, dass sie empfindlich auf faserige Stoffe reagieren.
Drehkolbenpumpe
Drehkolbenpumpen haben zwei- bis vierflüglige Drehkolben in einem ovalem Gehäuse, welche einen Unterdruck (Vakuum) an der Ansaugseite erzeugen. Der Maximaldruck liegt zwischen 2 - 10 bar Fördermengen liegen zwischen 0,5 und 4m³/min, bei einer Antriebsleistungen von 7,5 - 55 KW. Im Vergleich zu Exzenterschneckenpumpen gleicher Leistungsaufnahme erlauben diese Pumpen die Förderung größerer Fremdkörper und Faserstoffe.
Wie kann die Störanfälligkeit verringert werden ?
Um die Störanfälligkeit der Pumpen zu verringern, ist es sinnvoll im Zulauf mit Zerkleinerungsförderschnecken und/oder Mazeratoren zu arbeiten, um die Pumpe vor grobstückigen faserigen Bestandteilen zu schützen und für eine Zerkleinerung abbaubarer organischer Stoffe zu sorgen und die Entstehung von Biogas zu fördern.
Zerkleinerungsförderschnecke und Drehkolbenpumpe
Kombinationsprodukte aus Zerkleinerungsförderschnecke und Drehkolbenpumpe sind auf dem Vormarsch. 
Dabei werden dem angesaugten Güllestrom über eine Zerkleinerungsförderschnecke Kofermente zugeführt und damit der TS-Gehalt erhöht. Bei einem Förderdruck um 2,5 bar und ca. 1,25m³/min Fördervolumen beträgt die Leistungsaufnahme ca. 18 KW.
Der TS-Gehalt kann über entsprechende Sensorik im Aufbau berechnet werden (max. 15%).
Bei der Einbringung ist ein Lufteinschluss von 3-5% Luft durchaus erlaubt, die Mikroorganismen bedanken sich. Ein Gasaustritt hingegen ist lebensgefährlich, eine H2S-Konzentration von 0,1% wirkt nach wenigen Minuten und eine Konzentration von 0,5% nach wenigen Sekunden tödlich!
Störanfälligkeit der Rohrleitungen in Biogasanlagen
Bei längeren Standzeiten des Substrats in den Leitungen, kann sich Gas in den Leitungen bilden, welches zu Problemen bei den Pumpen führt. Ein in sich abgeschlossener Leitungsstrang kann bersten. Zu Problemen führen auch zu geringe Fließgeschwindigkeiten bei niedrigem TS-Gehalt, bei denen es zu Ablagerungen kommt oder zu geringe Rohr-Durchmesser, die zu Verstopfungen neigen.
Störungen dieser Art äußern sich in Meldungen wie dieser :
08.06.2009 | 10:39 Uhr
POL-IZ: Arkebek: Rohrleitung einer Biogasanlage geplatzt
Kreis Dithmarschen (ots) - Zwischen Sonntag (23.30 Uhr) und Montag (3.15 Uhr) platzte im Schrumer Weg aus bisher unbekannter Ursache die Druckleitung einer Biogasanlage. Es traten mehrere Kubikmeter Gülle aus, die die Straße und den angrenzenden Graben auf einer Länge von etwa 500 Meter verschmutzen. …
Wenn nicht angegeben habe ich meine Informationen aus folgender Quelle www.renewable-energy-concepts.com